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Wurm drin?

Speiseinsekten

Ausgabe 03/25

Was in anderen Kulturkreisen längst zum Speiseplan gehört, gilt hierzulande noch als exotische Nahrungsquelle. Die Rede ist von Speiseinsekten – eine proteinreiche Fleischalternative.

Insekten essen? Das klingt erstmal nach Dschungelcamp statt Superfood – doch das ändert sich gerade. Seitdem die Europäische Union bestimmte Insektenarten wie den Gelben Mehlwurm und die Hausgrille im Februar 2025 als neuartige Lebensmittel zugelassen hat, finden sich diese – in verarbeiteter Form – vermehrt in Produkten wie Energieriegeln oder Nudeln. Doch auch unverarbeitete Insektensnacks wie gegrillte Heuschrecken springen uns im Supermarktregal ins Auge. Forschende der niederländischen Universität Wageningen haben sich genau mit Speiseinsekten beschäftigt – und dabei mehr als 2.100 essbare Insektenarten dokumentiert.

Eine einfache Illustration eines segmentierten, gekrümmten Wurms oder einer Larve mit hellbraunen und dunkelbraunen Streifen entlang des Körpers.
Eine kreisförmige Infografik in deutscher Sprache, die essbare Insektengruppen zeigt: Raupen (350+ Arten), Mehlwürmer (650+), Ameisen (300+), Gottesanbeterinnen (250+) und Käfer (200+), jeweils mit einer Zeichnung illustriert.

Welche Speiseinsekten sind weltweit am beliebtesten?

  • Raupen Bestimmte Raupenarten wie die Mopane-Raupe werden in Afrika nicht nur als wichtige Proteinquelle genutzt, sondern auch getrocknet oder geräuchert als saisonale Spezialität verzehrt.
  • Ameisen, Bienen, Wespen Sie werden in verschiedenen Kulturen wegen ihrer eiweißreichen Larven und Puppen geschätzt.
  • Käfer Vor allem Käferlarven wie Mehlwürmer und Buffalowürmer sind wegen ihres hohen Eiweiß- und Fettgehalts sowie ihrer milden, nussigen Geschmacksnote in der Lebensmittelverarbeitung beliebt.
  • Heuschrecken Heuschrecken wie die Locusta migratoria werden in vielen Teilen Afrikas oder Asiens geröstet oder frittiert gegessen und gelten als knusprige, mineralstoffreiche Snacks.
  • Wanzen Wanzenarten wie die Riesige Wasserwanze sind in Thailand, Vietnam und den Philippinen als Snack oder Aromazusatz etabliert – und werden meist gegrillt, frittiert oder gedämpft zubereitet.

Von A wie Abfall bis Z wie Zinkgehalt

Speiseinsekten haben verschiedene gesundheitliche und ökologische Vorteile.

Geringer Ressourcenverbrauch:
Insekten benötigen deutlich weniger Wasser, Futter und Fläche als die klassische Fleischproduktion.

Eine braune Papiertüte mit einem weißen Kreis auf der Vorderseite und einem nach unten zeigenden orangefarbenen Pfeil im Inneren des Kreises.

Hoher Proteingehalt:
Speiseinsekten liefern hochwertiges Eiweiß mit allen essentiellen Aminosäuren, vergleichbar mit Fleisch oder Fisch.

Illustration einer schwarzen und blaugrünen Protein-Shaker-Flasche mit der Aufschrift "SHAKE PROTEIN", die senkrecht auf der Seite steht. Die Flasche hat einen Flip-Top-Deckel und ist leicht nach rechts geneigt.

Geringer Fettanteil:
Einige Insektenarten wie Grillen haben wenig gesättigte Fette und liefern zudem gesunde Fettsäuren.

Ein grünes Blatt mit einem großen goldgelben Öltropfen an der Spitze auf einem hellen Hintergrund.

Weniger Treibhausgasemissionen:
Die Zucht von Insekten erzeugt im Vergleich zur Viehwirtschaft deutlich weniger CO₂.

Ein blaugrüner Umriss eines nach unten gerichteten Pfeils mit "CO₂" in fetten, blaugrünen Buchstaben, der eine Verringerung der Kohlendioxidemissionen symbolisiert.

Reich an Mikronährstoffen:
Viele Insektenarten enthalten Eisen, Zink, Magnesium und B-Vitamine in hoher Konzentration.

Vier bunte Kreise zeigen die Symbole der chemischen Elemente: "Mg" (blau), "B" (rosa), "Fe" (braun) und "Zn" (orange). Jeder Kreis hat einen weißen, gebogenen Akzent in der oberen rechten Ecke.

Wenig Abfall:
Insekten können meist als Ganzes zubereitet werden, wodurch kaum Abfälle entstehen.

Illustration einer grauen Mülltonne mit schwarzem Deckel und einer roten diagonalen Linie auf der Vorderseite, die symbolisiert, dass kein Müll weggeworfen werden darf.

Vor allem Sportlerinnen und Sportler profitieren vom hohen Proteinanteil gefriergetrockneter Insekten. Kein Wunder also, dass die Lebensmittelindustrie sie manchen Energieriegeln in Pulverform vermehrt zusetzt!

25

Prozent

der Weltbevölkerung essen regelmäßig Insekten.

2.100

Insekten

sind als essbare Insektenarten offiziell dokumentiert.

800

Tonnen

betrug die EU-weite Produktion für den Verzehr von Speiseinsekten 2023.

Kennzeichnungspflicht in der EU

In der Europäischen Union (EU) unterliegen Speiseinsekten, die als Lebensmittel verkauft werden, seit dem 1. Januar 2018 streng geregelten Kennzeichnungsvorschriften. Auf verpackten Lebensmitteln, die Insekten beinhalten, müssen die Zutaten, die Darreichungsform und spezifische Allergiehinweise angeführt werden. Darüber hinaus sind sowohl die wissenschaftliche als auch die gebräuchliche Bezeichnung der Insektenart – im Falle von Grillen etwa Acheta domesticus (Heimchen) – zu nennen. Außerdem müssen die Speiseinsekten von der EU zugelassen sein, aktuell sind das Mehlwürmer, Hausgrillen, Buffalowürmer und Wanderheuschrecken. Die zulässigen Mengen, in denen Insekten bestimmten Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen, sind in den jeweiligen EU-Verordnungen festgelegt. So darf beispielsweise Mehlwurmmehl als Zutat bis zu einem Anteil von zehn Prozent in Produkten wie Nudeln oder Keksen verwendet werden. Mehr Informationen: www.verbraucherzentrale.de mit dem Stichwort „Speiseinsekten“.

Achtung, Allergierisiko!

Worauf Allergiker beim Verzehr von Speiseinsekten achten sollten.

„Bei Personen, die gegen Krustentiere wie Garnelen und Krabben, Weichtiere wie Muscheln und Tintenfische oder Hausstaubmilben allergisch sind, könnte der Verzehr von Speiseinsekten zu einer Kreuzreaktion führen“, so Dr. Tanja Katrin Hantke, Ärztin und Gesundheitsexpertin der vivida bkk. Grund hierfür sind bestimmte Proteine wie Tropomyosin, die sowohl in Insekten als auch in Krusten-, Weichtieren und Hausstaubmilben vorkommen.

Eine allergische Reaktion auf Speiseinsekten kann sich beispielsweise als Juckreiz oder Schwellung der Schleimhäute im Rachen, der Lippen, Zunge und Augenlider bemerkbar machen oder als Hautausschlag in Form einer Nesselsucht (Urtikaria), Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Atemnot oder Schwindel verursachen und im schlimmsten Fall in einem anaphylaktischen Schock enden. „Bisher gibt es hierzulande – im Gegensatz zu Asien oder Südamerika, wo Insekten seit langem auf dem Speiseplan stehen – nur wenige dokumentierte Fälle von allergischen Reaktionen nach dem Verzehr von Speiseinsekten“, fasst die Expertin zusammen.

„Dennoch rate ich bei Allergierisiko dazu, auf Lebensmittelverpackungen aufmerksam die Angaben zu den Inhaltsstoffen durchzulesen.“

Illustration einer Frau mit braunen Haaren, die sich die rote, gereizte Haut am Arm aufkratzt und sich dabei unwohl zu fühlen scheint, was möglicherweise auf eine allergische Reaktion oder eine Hauterkrankung hinweist. Sie trägt ein blaugrünes Hemd.
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