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Wie Gemeinschaft das Herz stärkt

Gemeinsam statt einsam: gut fürs Herz

Menschen mit einem aktiven und sozialen Lebensstil haben ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das zeigen zahlreiche Studien. Enge Freundschaften, familiäre Bindungen oder auch einfach regelmäßiger Austausch im Alltag senken nicht nur das Stresslevel, sondern wirken sich auch auf die Herzgesundheit aus. Wer sich verbunden fühlt, hat seltener mit Bluthochdruck oder chronischem Stress zu kämpfen und lebt insgesamt gesünder.

Gemeinschaft ist Balsam für die Seele – und die Herzgesundheit

Wer seiner Herzgesundheit etwas Gutes tun möchte, denkt zunächst oft an ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung oder medizinische Vorsorge. Doch auch unser soziales Umfeld hat große Auswirkungen auf die Gesundheit: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte Einsamkeit zu einem nicht zu unterschätzenden Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sich einsam zu fühlen kann dieses Risiko um bis zu 30 Prozent erhöhen und ist damit vergleichbar mit Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht. Im Umkehrschluss stärken regelmäßige soziale Kontakte die Regulationsfähigkeit des Körpers und helfen dabei, auch mit mentalen Belastungen besser umzugehen.

Soziale Nähe wirkt sich positiv aus auf:

  • den Blutdruck und die Herzfrequenz
  • die verminderte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol
  • die Aktivierungdes parasympathischen Nervensystems (zuständig für Erholung und Entspannung)

Das zeigt sich besonders eindrucksvoll in der Rehabilitation: Patienten mit sozialer Unterstützung erholen sich oft schneller und profitieren länger von den positiven Reha-Effekten.

Einsamkeit und soziale Isolation können leider nicht nur das Risiko für Schlaganfälle und Herzkrankheiten erhöhen. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken ist ohne soziale Kontakte circa doppelt so hoch.

Soziale Kontakte sind gut für die Herzgesundheit

Das Herz reagiert unmittelbar auf soziale Signale. In Momenten von Zugehörigkeit, Vertrauen oder gemeinsamem Lachen wird Oxytocin ausgeschüttet – ein Hormon, das den Blutdruck senkt und entzündungshemmend wirkt. Auch die Herzfrequenzvariabilität (HFV), ein Marker für Resilienz und Anpassungsfähigkeit, steigt in angenehmer sozialer Interaktion. Die HFV ist ein wichtiger Indikator für ein belastbares Herz. Sie beschreibt die flexiblen Abstände zwischen zwei Herzschlägen und deutet, je höher sie ist, auf die Fähigkeit des Körpers hin, gut mit Stress umzugehen.

Gemeinschaft wirkt also wie ein biologischer Puffer gegen Überlastung. Studien zeigen: Wer sich sozial eingebunden fühlt, lebt nicht nur gesünder, sondern oft auch länger.

Kleine Begegnungen, große Wirkung

Um die positiven Effekte sozialer Kontakte zu spüren, muss nicht zwangsläufig ein großer Freundeskreis bestehen. Wichtig sind tägliche und verlässliche Kontakte, die ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität geben. Eine feste Verabredung zum Mittagessen, die tägliche Laufrunde mit Kollegen oder der regelmäßige Besuch eines Vereins reichen schon aus, um sich als Teil eines festen Gefüges zu verstehen.

Was, wenn Gemeinschaft fehlt?

Nicht alle Menschen haben Zugang zu einem stabilen sozialen Umfeld. Besonders nach Lebensumbrüchen oder in belastenden Phasen kann Einsamkeit zu einer Herausforderung werden. In solchen Fällen ist es wichtig, aktiv zu bleiben und sich Unterstützung zu holen. Die Angebote sind zum Glück vielfältig:

  • Telefon-Seelsorge: Unter 116 123 erreichen Ratsuchende kostenlos, anonym und rund um die Uhr ein offenes Ohr.
  • Stresstelefon: Beim Stresstelefon der vivida bkk berät Diplom-Psychologin Andrea Bahnsen anonym, vertraulich und unterstützt mit konkreten Lösungsansätzen.
  • Krisenchat: Unter krisenchat.de können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre rund um die Uhr Hilfe suchen. Ehrenamtliche Fachkräfte haben über WhatsApp oder SMS ein offenes Ohr.
  • Lokale Vereine und Organisationen: Fast in jeder Stadt gibt es ehrenamtliche Helfer, die sich engagieren und Angebote gegen Einsamkeit schaffen.
  • Aktivitäten in der Nachbarschaft: Netzwerke wie nebenan.de helfen dabei, sich in der Nachbarschaft zu vernetzen, sich zu verabreden oder sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen.

Wer keine akute Unterstützung benötigt, aber dennoch Einsamkeit und Isolation vorbeugen möchte, hat die Auswahl aus ganz unterschiedlichen Strategien, um Herz und Gemeinschaft zu stärken:

  1. Neues wagen: Melden Sie sich im Chor*, zu einem Ehrenamt oder in einer Kreativgruppe an. Wer Neues ausprobiert, erweitert nicht nur seinen Horizont, sondern meist auch ganz von allein das soziale Netzwerk.
  2. Bewegungsgruppen: Doppelt gut fürs Herz ist gemeinsame Bewegung an der frischen Luft oder in einem Kurs im Fitnessstudio. Egal ob Yoga, Nordic Walking, Fahrradfahren oder Spinning: Gemeinsames Training tut dem Körper und der Seele gut.
  3. Bestehende Verbindungen pflegen: Schaffen Sie eine Regelmäßigkeit mit Freunden oder Bekannten. Das kann ein monatlicher Kochabend oder auch eine wöchentliche FaceTime-Verabredung sein, um Verlässlichkeit zu erzielen.
  4. Rückzug erkennen: Beobachten Sie sich selbst. Wenn Sie feststellen, dass Sie sich mehr und mehr zurückziehen, versuchen Sie, bewusst gegenzusteuern und trauen Sie sich, Unterstützung zu suchen.
  5. Digitale Nähe bewusst nutzen: Videocalls, Chats und Messenger können durchaus Nähe schaffen, besonders, wenn Freunde und Familie weiter weg wohnen. Verlassen Sie sich jedoch nicht rein auf die digitalen Angebote, sondern versuchen Sie, ein Gleichgewicht zwischen „echten“ und digitalen Kontakten zu schaffen.

* Wussten Sie schon? Regelmäßiges Singen kann das Herz-Kreislauf-System stärken.
Was vielen intuitiv guttut, ist auch aus der Forschung belegt. Studien aus den USA haben gezeigt, dass bereits 14 Minuten Singen am Tag ausreichen können, um die Herzfrequenzvariabilität (HFV) zu erhöhen.
Die positiven Effekte des Singens traten in der Studie unabhängig von Alter, musikalischem Können oder Talent auf.
Entscheidend ist also nicht, wie gut Sie singen, sondern nur, dass Sie es regelmäßig – am besten täglich – tun. Den größten Effekt erzielen sie, wenn Sie gemeinsam mit anderen singen.

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