(K)ein harter Knochen
Ausgabe 01/26
Und plötzlich macht es „Knack“! Wenn ein Knochen ohne erkennbaren Auslöser bricht, kann das an abnehmender Knochendichte liegen. Obwohl Osteoporose zu den bekanntesten Volkskrankheiten in Deutschland zählt, wird diese Erkrankung des Skelettsystems oft erst wahrgenommen, wenn sie schon fortgeschritten ist. Dabei gibt es einige Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Therapie.
Bei der Osteoporose handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Knochenstoffwechsels, bei der die Knochenstruktur im gesamten Körper nach und nach geschwächt wird. „Die Knochen verlieren an Dichte und Qualität, wodurch sich deren Festigkeit vermindert und das Risiko für plötzliche Brüche steigt – und das im fortgeschrittenen Stadium sogar bei leichten Belastungen wie Stolpern oder Husten“, erklärt Dr. Tanja Katrin Hantke, Ärztin und Gesundheitsexpertin der vivida bkk.
Knochenstoffwechsel im Gleichgewicht
Knochen sind kein starres Gebilde, sondern werden im Laufe unseres Lebens von zwei hormongesteuerten Zelltypen erneuert: Die Osteoblasten bauen neues Knochengewebe auf, die Osteoklasten bauen altes oder beschädigtes Knochengewebe ab. Dieser Prozess verläuft in einem natürlichen Gleichgewicht, das den Knochenauau und -abbau in Balance hält. Nachdem der Knochenaufbau in der Regel um das 30. Lebensjahr seinen Höhepunkt erreicht, verändert sich der Knochenstowechsel mit zunehmendem Alter.
Das bedeutet: Die Knochen werden weniger dicht und belastbar. Das ist jedoch nicht weiter bedenklich – meist bleiben sie nämlich stabil genug, um den Alltagsbelastungen standzuhalten. Anders verhält es sich bei der Osteoporose: Hier ist das natürliche Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau dauerhaft verschoben, wodurch der Knochenabbau deutlich stärker verläuft als beim normalen Alterungsprozess.
Risikofaktoren vermeiden
Besonders häufig betroffen sind Frauen nach den Wechseljahren und ältere Menschen – entsprechend zählen die sogenannte postmenopausale und die senile Osteoporose zu den häufigsten Ausprägungsformen. „Die sekundäre Osteoporose, eine seltenere Variante, kann durch spezifische Auslöser begünstigt werden“, erklärt Hantke. Dazu zählen hormonelle Störungen (wie Diabetes mellitus oder Schilddrüsenüberfunktion), chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis und Colitis ulcerosa (eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung) sowie bestimmte Medikamente (z. B. Glukokortikoide, umgangssprachlich: Cortison). Zu den weiteren Risikofaktoren zählen Bewegungsmangel, eine unausgewogene Ernährung sowie Nikotin- und starker Alkoholkonsum
Frühe Anzeichen erkennen
Obwohl Osteoporose meist unauffällig verläuft, können sich an der Wirbelsäule folgende Anzeichen bemerkbar machen:
- Verlust der Körperlänge um bis zu vier Zentimeter
- Typische Körperhaltung: Buckel, Hohlkreuz, vorgewölbter Unterbauch
- Verringerter Abstand zwischen Rippen und Becken
- Unsicherer Gang
- Verkürzung des Rumpfes
- Sogenannte Tannenbaumhaut mit Hautfalten am Rücken
Durch die Verformung der Wirbelsäule und den verkürzten Rumpf kann sich der Brustkorb nicht mehr frei ausdehnen, sodass Atemfunktionsstörungen entstehen können. Gleichzeitig nimmt die Beweglichkeit ab, was den Krankheitsverlauf verschärfen kann: Weniger Bewegung führt zu weiterem Muskel- und Knochenabbau
Oft symptomfrei
„Ein großes Problem besteht darin, dass viele Menschen nicht über die Risiken von Osteoporose aufgeklärt sind – und präventive Maßnahmen oft zu spät oder gar nicht ergreifen“, so Gesundheitsexpertin Hantke. „Das liegt vor allem daran, dass der fortschreitende Knochenabbau kaum Symptome hervorruft. Osteoporose verursacht in der Regel zunächst keine Schmerzen – diese setzen erst ein, wenn die Knochen brechen.“ Hierbei handelt es sich um sogenannte Fragilitätsfrakturen, die bei leichten Stößen und einfachen Alltagsaktivitäten oder ohne erkennbare Ursache entstehen. Häufig treten Brüche in der Nähe des Hüftgelenks, an den Wirbelkörpern, am Oberarm oder am Handgelenk auf.
Nicht verzagen, Doktor fragen
„Eine Risikoeinschätzung ist bei Frauen nach Eintritt der Menopause und bei Männern ab 50 Jahren sinnvoll“, sagt Hantke. Die betreffenden Personengruppen sollten sich vor allem dann untersuchen lassen, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen – beispielsweise eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Ab einem Alter von 70 Jahren, wenn das Sturzrisiko erheblich steigt, ist eine Basisdiagnostik auch unabhängig von weiteren Risikofaktoren empfehlenswert. Diese umfasst meist eine körperliche Untersuchung, Knochendichtemessung, Bluttests zur Beurteilung des Knochenstoffwechsels und – falls ein Verdacht auf Knochenbrüche besteht – bildgebende Verfahren, um Frakturen auszuschließen.
Gesund durch den Alltag
Disease-Management-Programme (DMP) sind strukturierte Behandlungsangebote für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Sie verbessern die Versorgung, lindern Beschwerden und beugen Rückfällen vor, indem Teilnehmende regelmäßig ärztlich betreut und individuell beraten werden – beispielsweise erhalten Osteoporose-Patienten wichtige Empfehlungen zu Bewegung, Ernährung und Lebensstil. Weitere DMP gibt es etwa für Asthma bronchiale, Brustkrebs, COPD, Diabetes mellitus, Koronare Herzkrankheit und Rheumatoide Arthritis. Weitere Informationen unter: www.vividabkk.de/dmp
Mit unseren Gesundheitskursen rund um die Themen Bewegung, Ernährung oder Stressbewältigung können Sie ebenfalls dem Muskelund Knochenschwund vorbeugen. Mehr Informationen unter: www.vividabkk.de/gesundheitskurse
Therapiemöglichkeiten
„Die Basistherapie ist sowohl bei manifester, also fortgeschrittener Osteoporose geeignet als auch, um einer Osteoporose vorzubeugen. Sie umfasst nicht-medikamentöse Maßnahmen, welche die Knochengesundheit positiv beeinussen“, erklärt Hantke. Hierfür ist ein Zusammenspiel aus ausgewogener Ernährung, ausreichend Sonne (mit entsprechendem Sonnenschutz) und regelmäßiger Bewegung wichtig. Zudem kann die Hausärztin oder der Hausarzt Physiotherapie verordnen, die die Beweglichkeit und Stabilität von Knochen und Gelenken fördern kann.
Sollte die Basistherapie nicht ausreichen oder ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche bestehen, kann die Ärztin oder der Arzt eine medikamentöse Behandlung verordnen. Diese bremst entweder den weiteren Knochenabbau oder fördert den Wiederaufbau. Ergänzend kann eine Schmerztherapie zu einer besseren Beweglichkeit und höheren Lebensqualität beitragen. Ebenfalls wichtig ist ein Medikamentencheck: Lassen Sie in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke prüfen, ob Sie Arzneimittel einnehmen, die Osteoporose begünstigen. Oder fragen Sie unsere Apothekerin, Insa Heyde, die Sie gerne per Telefon 0421 43551-61452 oder E-Mail (insa.heyde@vividabkk.de) berät.
Tipps zur Sturzprävention erhalten Sie in unserem Merkblatt unter www.vividabkk.de/downloadcenter
Messung der Knochendichte
Bei konkretem Verdacht auf Osteoporose erfolgt eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie), um den Mineralgehalt der Knochen zu bestimmen, das Frakturrisiko einzuschätzen und gegebenenfalls frühzeitig eine gezielte Therapie einzuleiten. Die vivida bkk übernimmt die Kosten für die Messung, wenn ein Knochenbruch ohne Unfallursache oder ein begründeter Verdacht vorliegt – etwa nach einem Bruch, zur Therapieoptimierung oder zur Therapiekontrolle.







