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Schlaganfall

Warnzeichen erkennen und richtig handeln – Interview mit Dr. Tanja Katrin Hantke

Ein Schlaganfall tritt oft plötzlich auf und ist ein echter Notfall. Umso wichtiger ist es, Warnzeichen und Symptome schnell zu erkennen und sofort zu handeln. Im Interview verrät Ärztin und Gesundheitsexpertin Dr. Tanja Katrin Hantke, was in einer Notfallsituation zählt, aber auch, wie man langfristig vorbeugen kann.

Dr. Tanja Katrin Hantke ist Ärztin und Gesundheitsexpertin und arbeitet bei der vivida bkk am Standort Berlin im Bereich Versorgungsmanagement.

Die meisten Schlaganfälle werden durch Blutgerinnsel ausgelöst. Solche Blutgerinnsel entstehen am häufigsten im Herzen und in den Halsschlagadern. Durch den Blutfluss werden die Gerinnsel ins Gehirn transportiert. Wenn sie dort in schmaleren Gefäßen steckenbleiben, kann der Bereich des Gehirns hinter der Engstelle nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgt werden. Es kommt zum Absterben von Gehirnzellen und das geht sehr, sehr schnell. Deshalb ist es auch so wichtig, umgehend zu handeln. Eine weitere Ursache können Blutungen im Gehirn sein, wenn zum Beispiel eine Gefäßwand im Gehirn reißt. Der Druck, der durch die Blutung entsteht, kann Gewebe und Gefäße schädigen, so dass Gehirnzellen direkt zerstört werden oder nachgelagerte Bereiche keinen Sauerstoff mehr erhalten.

Unterm Strich stimmt das zwar, das heißt aber nicht, dass nicht auch jüngere Menschen betroffen sein können. Bei Menschen ab dem mittleren Lebensalter spielen oft Risikofaktoren, die sich über Jahre oder Jahrzehnte angesammelt haben, die ursächliche Rolle. Bei jüngeren Menschen sind die Lebensstilfaktoren selten ausschlaggebend, sondern tendenziell eher anatomische Ursachen. Bei etwa einem Viertel der Schlaganfälle bei jüngeren Menschen ist ein spontaner Gefäßeinriss in der Halsschlagader die Ursache. Bei rund drei Vierteln der Schlaganfälle bei unter 40-Jährigen kann die Ursache nicht gefunden werden. Das ist für die Patienten im ersten Moment zwar beunruhigend, doch ohne eindeutige Ursache und Grunderkrankung ist das Wiederholungsrisiko zum Glück meist gering.

Die häufigsten Symptome sind Sprachstörungen, akute körperliche Schwäche, Schwindel, ein Taubheitsgefühl und/oder Lähmungserscheinungen – meist einseitig in Arm, Bein und im Gesicht. Manche Betroffene sehen auch plötzlich nicht mehr richtig und haben starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder beschreiben Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen. Außenstehende könnten bemerken, dass ein Mundwinkel herunterhängt. Ganz wichtig, und das kann man nicht oft genug betonen, ist: in einem Verdachtsfall sofort reagieren und die 112 wählen. Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute und hier gilt, lieber einmal zu viel handeln als einmal zu wenig. Wer sich weiter informieren möchte, findet zum Beispiel bei der Deutschen Schlaganfall-Hilfe viele hilfreiche Hintergründe und aktuelle Forschungsergebnisse.

Gerade wenn man als Außenstehender einen Betroffenen nicht kennt, können Nuscheln und ein unsicherer Gang auch falsch gedeutet werden. Leichte Symptome wie Verwirrtheit bringt man ebenfalls nicht unbedingt sofort mit einem Schlaganfall in Verbindung. Doch bei einem unguten Gefühl gilt wie gesagt, lieber schnell die 112 wählen. Zudem kann man mit drei ganz einfachen Tests zusätzlich Klarheit gewinnen:

  1. Kann die Person lächeln oder bleibt ein Mundwinkel hängen?
  2. Kann die Person richtige Sätze bilden oder ist die Sprache verwaschen?
  3. Kann die Person beide Arme parallel bis über den Kopf hochheben oder bleibt ein Arm zurück?

Wenn Sie bei diesen drei Tests Beeinträchtigungen feststellen, sollten Sie umgehend reagieren. Leider werden Vorboten oder Symptome, die nur sehr leicht sind und sich nach wenigen Minuten wieder legen, oft nicht richtig gedeutet. Dabei kann es sich bei diesen um einen „kleinen Schlaganfall“, also eine TIA (Transitorische Ischämische Attacke) handeln. Das ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung oder Gefäßverengung, die sich wieder auflöst. Doch auch wenn die Symptome schnell wieder vorbei sind, sollte man eine TIA auf jeden Fall ernst nehmen, da sie ein Vorbote für einen „echten“ Schlaganfall sein kann. Deshalb: unbedingt zum Arzt gehen, denn dieser kann dann eventuell vorhandene Grunderkrankungen behandeln und zum Beispiel blutverdünnende Arzneimittel zur Prophylaxe eines Gerinnsels verschreiben.

Im besten Fall alle Lebensstilfaktoren, die wir beeinflussen können. Bewegungsmangel, Fehlernährung, Übergewicht, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind allesamt Faktoren, die Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen oder anhaltendes Vorhofflimmern begünstigen können. Mit diesen Grunderkrankungen, insbesondere dem Bluthochdruck, erhöht sich das Schlaganfallrisiko deutlich. Das Beste, was wir als Prävention tun können ist: ausreichend bewegen, gesund ernähren, rauchfrei leben und körperlichen sowie mentalen Stress so weit wie möglich reduzieren. Auch wer bereits eine Grunderkrankung hat, die therapiert wird, sollte die Lebensstilfaktoren natürlich gut im Auge behalten.

An diesem spannenden Feld wird intensiv geforscht. So hat man beispielsweise schon herausgefunden, dass Frauen, die einen Schlaganfall erleiden, durchschnittlich fünf Jahre älter sind als Männer. Unterm Strich sind Männer – zumindest in Deutschland – häufiger von einem Schlaganfall betroffen als Frauen. Auch die häufigsten Grunderkrankungen, die den Weg zum Schlaganfall ebnen, unterscheiden sich: Bei Männern ist es in vielen Fällen eine Verkalkung der großen Gefäße, die sogenannte Arteriosklerose, bei Frauen das Vorhofflimmern. Bei Frauen treten auch häufiger wenig eindeutige Symptome wie Verwirrtheit und Gedächtnisstörung auf. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass Frauen in einer Schlaganfall-Situation im Schnitt später in einer Klinik ankommen als Männer und dadurch tendenziell einen schwereren Verlauf haben.

Ein Schlaganfall ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Betroffene sollte man deshalb nie zuhause behalten oder mit dem eigenen Auto in die Klinik fahren, sondern immer über die 112 den Rettungsdienst rufen und in eine Klinik bringen lassen. In manchen Krankenhäusern gibt es sogenannte „Stroke Units“, die auf Schlaganfälle spezialisiert sind. Dort wird zunächst versucht, das Gerinnsel so schnell wie möglich medikamentös aufzulösen. Das geschieht im Idealfall schon innerhalb der ersten 90 Minuten nach Symptombeginn, oder spätestens im empfohlenen Zeitfenster von 4,5 Stunden. Es können aber durchaus auch danach noch Gerinnsel gelöst werden. Sollte die medikamentöse Auflösung nicht möglich sein, wird das Gerinnsel operativ entfernt. Auf der „Stroke Unit“ werden die Patienten im Anschluss engmaschig überwacht. Nach der Notfallbehandlung beleuchtet und behandelt man dann natürlich die ursächlichen Erkrankungen. Nach einem Schlaganfall ist in der Regel die Einnahme von blutverdünnenden Arzneimitteln langfristig notwendig, um die erneute Bildung von Gerinnseln zu verhindern und so das Risiko für weitere Schlaganfälle zu senken. Meist starten während des Klinikaufenthalts auch schon erste Rehabilitationsmaßnahmen, bevor sich für fast alle Patienten eine stationäre Behandlung in einer Rehaklinik anschließt. Je nach Beeinträchtigung arbeitet man dann am Wiederaufbau der Muskelkraft, der Zurückerlangung der Beweglichkeit oder dem erneuten Aufbau des Sprachvermögens.

Schlaganfall-Spezialstationen, sogenannte "Stroke Units"

  • In Deutschland gibt es laut der Deutschen Schlaganfall-Hilfe rund 350 zertifizierte „Stroke Units“ und weitere 127 Standorte, die eine vergleichbare Schlaganfall-Behandlung gewährleisten können.
  • Die meisten Menschen können in weniger als 30 Minuten eine Stroke Unit erreichen.
  • Für die knapp 6 Prozent der Menschen, die über 30 Minuten fahren müssten, greifen entweder die Luftrettung oder telemedizinische Netzwerke. So können zum Beispiel Spezialisten per Videokonferenz zugeschaltet werden und die Teams vor Ort unterstützen. Fast jeder zehnte Schlaganfall wird in Deutschland telemedizinisch mitbehandelt.

Ich würde empfehlen, besser heute als morgen mit dem Rauchen aufzuhören – oder erst gar nicht damit anzufangen. Eine noch einfachere Gewohnheit wäre: das Auto öfter mal stehen lassen und zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren. Das Gute daran ist, dass wirklich jeder es schaffen kann, auch in ganz kleinen Schritten mehr Bewegung in den individuellen Alltag zu integrieren.

Ob Prävention oder Nachsorge: Die vivida bkk begleitet Sie mit Angeboten, die genau dort ansetzen, wo es wirklich zählt.

  1. Die myReha-App ist eine zertifizierte Therapie-App für Erwachsene mit neurologischen Erkrankungen, die Sprache, Gedächtnis oder Alltagsfähigkeit beeinträchtigen. So werden Sie gezielt und digital in Ihrem Alltag begleitet. Versicherte ab 18 Jahren nutzen die App 6 Monate kostenlos.
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  3. Gesundheitskurse – egal ob online oder vor Ort – können Ihnen dabei helfen, mehr Bewegung in Ihren Alltag zu integrieren, Stress zu reduzieren oder Ihre Ernährungsgewohnheiten zu verbessern. vivida bkk-Versicherte erhalten für zwei Gesundheitskurse pro Jahr eine Kostenbeteiligung in Höhe von 80 % der Kurskosten (maximal 150 Euro pro Kurs). Für Online-Gesundheitskurse bestimmter Kooperationspartner gilt sogar eine Übernahme von 100 % (bis maximal 150 Euro).
  4. Wer das Rauchen aufgeben möchte, steht damit nicht alleine da: In der Telefonischen Raucherberatung bei Diplom-Psychologin Andrea Bahnsen erhalten Sie wertvolle Unterstützung und praktische Tipps, die auf Ihre persönlichen Bedürfnisse und Ihre individuelle Situation zugeschnitten sind.
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