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Herzstück auf zwei Rädern

Runde Sache

Das Fahrrad ist weit mehr als nur ein bequemes Fortbewegungsmittel für den Alltag. Es ist ein lautloses Statement für Freiheit, ein Spiegel unserer Persönlichkeit und gleichzeitig ein Trainingsgerät für Körper und Geist.

Irgendwo zwischen Haustür und Asphalt beginnt die Magie. Für Sarah Gleichauf, Social-Media-Referentin bei der vivida bkk, startet sie meist mit einem leisen Klicken: dem Moment, in dem der Helm einrastet. Ihr Rennrad heißt Liv – und für Gleichauf ist Liv weit mehr als ein Sportgerät. Es ist ein kleines Stück Freiheit auf zwei Rädern. „Wenn ich fahre, kann ich richtig gut abschalten“, erzählt Sarah. „Ich bin so in der Bewegung, dass keine Zeit bleibt, über Probleme nachzudenken. Ich bin einfach nur im Moment.“ Radfahren schafft für sie eine echte Beziehung: zu ihrem Rad, zu ihrem Körper und zu der entspannten, klaren Version von sich selbst, die unterwegs zum Vorschein kommt.

Natur pur statt Fitnessstudio: Für Sarah Gleichauf ist jede Radtour ein Kurzurlaub für Körper und Geist.

Achtung, Blitzer! Der Geschwindigkeitsweltrekord auf einem Fahrrad liegt bei unglaublichen 296 km/h. Denise Mueller-Korenek hat ihn 2018 aufgestellt – im Windschatten eines Supersportwagens. Bitte nicht nachmachen!

Sport und Alltag zugleich

Viele kennen dieses Gefühl. Ob das eigene Rad frisch geputzt glänzt, mit Stickern und Blumen geschmückt ist oder die Patina vergangener Winter trägt: Es bringt uns voran und erzählt dabei etwas über uns. Nicht nur in Fahrradstädten wie Bremen, Münster oder Freiburg ist das Rad heute längst ein klares Statement für Klimaschutz, Unabhängigkeit und einen entschleunigten Blick auf die Welt – oder manchmal auch nur ein praktisches Fortbewegungsmittel oder Sportgerät.

Radfahren fühlt sich aber meist anders an als der klassische Gang ins Fitnessstudio: Es ist Alltag, Sport, Naturerlebnis und besonderes Event zugleich – vom schnellen Weg zum Bäcker bis zur ausgiebigen Feierabendrunde. Sportmediziner Prof. Dr. Uwe Tegtbur von der Medizinischen Hochschule Hannover bringt es auf den Punkt: „Radfahren ist für alle da. Damit kann sich eine sehr breite Bevölkerung bewegen und mit einfachen Mitteln etwas für die eigene Gesundheit tun.“ Und wer sich mit dem Rad bewegt, gewinnt meist mehr als „nur“ Kondition. Selbst eine einzelne Fahrt macht schon etwas mit unserem Körper: „Bei jeder Tour gibt es einen messbaren Akuteffekt, der über Stunden anhält“, erklärt er. „Blutdruck runter, Blutzucker runter – Radfahren ist wie ein Medikament, das sofort wirkt.“

Natur pur statt Fitnessstudio: Für Sarah Gleichauf ist jede Radtour ein Kurzurlaub für Körper und Geist.

Das „Jahr ohne Sommer“ 1816 war mitverantwortlich für die Erfindung des Fahrrads: Wegen einer verheerenden Missernte in Europa benötigten Menschen ein Transportmittel, das im Gegensatz zum Pferd keinen teuren Hafer frisst.

Ein Cartoon-Pferd mit gelbem Hemd, lila Shorts und passender Mütze fährt auf einem Fahrrad.

Der Tritt in die Freiheit

Die größte Hürde liegt oft schon vor dem ersten Tritt ins Pedal: der volle Kopf, die lange To-do-Liste, die verlockende Couch. Der innere Schweinehund meldet sich besonders laut, solange man noch in Hausschuhen steht. Sarah Gleichauf, die auch neben dem Radfahren im Alltag viel Sport treibt, kann diese Widerstände gut im Zaum halten. „Ich verhandle nicht mehr mit meinem inneren Schweinehund. Er ist bei mir mittlerweile ziemlich ruhig geworden“, erzählt sie lachend. Wer den Start noch zu schwer findet, kann sich mit der Fünf-Minuten-Regel helfen. Dabei verspricht man sich: Ich fahre nur fünf Minuten – und wenn es mir dann keinen Spaß mehr macht, kehre ich um. Spoiler: Kaum jemand bricht nach fünf Minuten ab.

Kein Gym, keine App

Mit dem Losfahren setzen wir einen Prozess in Gang: Puls und Atmung steigen sanft, die Muskulatur wird besser durchblutet. Dabei arbeitet der Körper ganzheitlich: Vor allem Oberschenkel, Gesäß und Waden übernehmen den Antrieb, während Bauch- und Rückenmuskeln den Oberkörper stabilisieren. Genau diese Mischung aus Beinen und Rumpf macht Radfahren so alltagstauglich: „Die Anstrengung wird auf viele Muskelgruppen verteilt. Davon profitieren auch Einsteiger enorm – weil es nicht so schnell zu einer Überanstrengung kommt“, erklärt Tegtbur. „Dabei gilt natürlich: Der Einstieg soll klein und machbar bleiben. Eine kurze Zehn-Minuten-Tour bewirkt mehr als die große Ausfahrt, die nie gestartet wird.“ Der Einstieg ist dabei sehr niederschwellig. „Es braucht kein Gym, keine App – nur dich und dein Rad“, ist Gleichauf begeistert. „Hinzu kommt: Auch die Intensität lässt sich spielerisch steuern. Leichter Gang, gleichmäßiger Tritt – so können die meisten gut durchstarten.“

Gerade beim (Wieder-)Einstieg gilt: Lieber lächeln als hecheln. „Wer dann mit der Zeit immer wieder kleine Anstrengungsmomente einbaut – etwa kurze Sprints oder Bergauf-Fahrten –, tut seinem Körper besonders gut“, erklärt Tegtbur. Eine Studie der Universität in Sydney zeigt: Drei bis vier Mal am Tag eine einminütige hochintensive Aktivität reichen aus, um die Chance auf ein langes, gesundes Leben zu vergrößern und die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 49 Prozent zu senken.

Grauer Himmel? Nieselregen? Egal! Die Extraportion Glückshormone sorgt auch bei schlechtem Wetter für gute Laune.

UNTERSUCHUNG

Wissen, was der Körper kann

Wer (wieder) intensiv einsteigen möchte – oder einfach auf Nummer sicher gehen will –, für den kann eine sportmedizinische Untersuchung sinnvoll sein. Dabei werden vom Mediziner Belastbarkeit und Trainingsbereiche individuell eingeschätzt, mögliche Risiken erkannt und konkrete Hinweise gegeben, wie Sie gesund und passend zu Ihrem Alltag trainieren.

Wir erstatten Ihnen die Untersuchungskosten bis zu einer Höhe von 100 Euro. Mehr Infos gibt es online unter: www.vividabkk.de/sportuntersuchung

In den 1890ern wurde das Fahrrad zum Symbol der „New Woman“: Es brachte Frauen neue Bewegungsfreiheit – und damit Emanzipation. Sogar die Mode und klassische Rollenbilder gerieten dadurch in Bewegung.

Der Motor kommt auf Touren

Nach den ersten Minuten finden Herz und Beine ihren Rhythmus. Der Tritt wird runder, die Bewegung gleichmäßiger, der Kopf hört auf zu diskutieren. Viele kennen diesen Umschaltmoment: Aus „Anstrengung“ wird „Flow“. Im Körper läuft jetzt Schwerarbeit im besten Sinne. „Auf dem Sofa pumpt das Herz etwa fünf Liter pro Minute durch den Körper. Beim moderaten Radfahren können es schon mal 15 Liter sein“, erklärt Tegtbur. Mehr Blutfluss bedeutet: Die Gefäße weiten sich. Genau daraus entsteht ein großer Teil des Akuteffekts – ein Kreislauf, der für Stunden günstiger eingestellt bleibt. Wer die Viertelstunde schafft, erlebt oft den zweiten großen Umschaltmoment: Der Kopf wird leiser, man kommt bei sich an. Für Gleichauf ist das ihr bewegter Reset: „Nach 15 oder 20 Minuten kommt oft dieser Moment, in dem ich merke: Eigentlich könnte ich heute ewig weiterfahren. Ich spüre richtig, wie mir das guttut.“ Tegtbur liefert die physiologische Erklärung: Bewegung regt Stoffwechselprozesse an, die sich positiv auf die Stimmung auswirken. Stresshormone werden abgebaut, Glückshormone ausgeschüttet. „Gerade in der Natur kommt noch ein seelisches Wohlgefühl dazu. Bewegung und Natur zu verbinden, ist das Beste für Körper und Seele.“

Prof. Dr. Uwe Tegtbur Medizinische Hochschule Hannover
Kraftübertragung in ihrer schönsten Form: Jeder Tritt in die Pedale bringt den Kreislauf auf Touren.

Langfristig gesund fahren

Sportmedizinisch endet die Wirkung nicht am Abstellbügel. Neben dem über Stunden anhaltenden Akuteffekt hat Radfahren auch langfristige Auswirkungen auf unseren Körper und Geist: „Wer regelmäßig fährt, trainiert sein Herz-Kreislauf-System besonders effektiv. Das Herz lernt effizienter zu arbeiten, die Gefäße bleiben elastischer – Effekte, die sich oft ganz alltagsnah bemerkbar machen, etwa bei Energie, Schlaf und Stressresistenz“, erklärt Tegtbur. Dabei ist es egal, ob man sich auf dem Renn- oder Hollandrad fortbewegt, auf dem Citybike oder – und hier endet für viele ein Mythos – auf dem E-Bike. Tegtbur hat zu diesem Thema eine umfassende Studie mit rund 2.000 Teilnehmenden durchgeführt. Das Ergebnis: Der Pulsanstieg beim E-Bike ist nur geringfügig niedriger als beim klassischen Rad. „Der entscheidende Unterschied liegt im Verhalten: E-Bikes nehmen Gegenwind, Berge und Zeitdruck aus der Gleichung. Sie bringen Menschen aufs Rad, die sonst gar nicht fahren würden – wegen körperlicher Einschränkungen, den Geländebedingungen oder Alltagsstress“, sagt Tegtbur. „E-Bikes sind ein starkes Präventionsmittel, gerade für die, denen der Einstieg ins Fahrradfahren schwerfällt.“

Ergonomie im Blick behalten

Wer nach längerer Pause wieder einsteigt, sollte sich laut Tegtbur einen Gefallen tun und vor dem behutsamen Start das Rad richtig einstellen oder einstellen lassen. „Viele Sättel sind viel zu tief“, beobachtet er jedes Frühjahr auf seinen Ausfahrten. „Gefühlt zwei von zehn Rädern sind nicht auf die Fahrerinnen und Fahrer abgestimmt. Die Folge: schnellere Ermüdung, Beschwerden, Lustlosigkeit. Deshalb empfehle ich, sich einmal pro Saison den Sattel und den Lenker vom Profi auf die richtige Höhe einstellen zu lassen.“

Auch die Belastung für den Po dürfe man – gerade beim Einstieg – nicht vernachlässigen. Es dauere eine Zeit, bis er für längere Fahrten bereit ist, erklärt Tegtbur. Gefederte Sattelstützen wären hier für viele eine lohnende Investition. Hinzu kämen – für Männer und für Frauen – spezielle Sättel. Diese verfügen meist über eine spezielle Aussparung oder Vertiefung in der Mitte, um den empfindlichen Dammbereich zu entlasten und unangenehme Taubheitsgefühle oder Druckstellen gar nicht erst entstehen zu lassen. Abschließend wird erst mit der passenden Ausrüstung die Tour zur runden Sache: Ein gut sitzender Helm und eine helle Beleuchtung sorgen dafür, dass man nicht nur gesund, sondern auch sicher ans Ziel kommt.

Gut behütet ins Abenteuer: Ein geschützter Kopf ist die wichtigste Voraussetzung für eine entspannte Ausfahrt.

Radfahren wirkt dreifach

Am Ende passt Radfahren perfekt zur WHO-Definition von Gesundheit: Es stärkt das körperliche, mentale und – bei gemeinsamen Touren – das soziale Wohlbefinden. Und es hilft ganz praktisch, die Bewegungsempfehlungen zu erreichen: Die WHO rät Erwachsenen zu mindestens 150 Minuten moderater Ausdaueraktivität pro Woche – 300 Minuten sind noch besser. Wer regelmäßig mit dem Rad pendelt, sammelt diese Minuten oft fast nebenbei: 15 Minuten hin, 15 zurück – und über die Woche kommt schnell eine solide Basis zusammen. Und genau darin liegt der Charme: Radfahren fühlt sich nicht an wie „Gesundheit machen“. Es fühlt sich an wie Leben. Und nebenbei tut es dem Herzen etwas Gutes – jedes Mal, wenn der Helm klickt und die Pedale sich drehen. ∙

Startschuss für den Fahrspaß: Die Vorbereitung für eine sichere Radtour dauert oft nur eine Minute. (und von dort aus einen Pfeil in den lila Kasten mit dem ABC+-Check)

Der ABC+ Check

Bevor Sie losrollen, lohnt sich ein kurzer ABC+ Check: Das steht für Air, Brakes, Chain – oder auf Deutsch: Luft, Bremsen und Kette. Das Sicherheits-Plus: Ein kurzer Ruck am Lenker prüft die Stabilität. Funktionieren Licht und Reflektoren? Und ganz wichtig: Sitzt der Helm?

  • Reifen: Ist genug Luft in den Reifen?
  • Kette: Sitzt die Kette sicher auf dem Zahnkreuz?
  • Bremsen: Ziehen die Bremsen stark genug?

Alles bereit für die nächste Rad-Tour?

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Radfahren ist extrem energieeffizient: Gemessen als „Energie pro Körpergewicht und Strecke“ zählt der Mensch auf dem Fahrrad zu den effizientesten Lebewesen überhaupt – noch vor dem Kondor.

Gut, dass unser Maskottchen Piet auch Rad fahren kann, das berichtet er HIER.

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